Wie beeinflusst deine Persönlichkeit deine Finanzentscheidungen?

Kompetent. Zukunftsgerichtet. Selbstständig.

Übersicht

28.07.2024

Zusammenfassung

„Persönlichkeiten werden nicht durch schöne Reden geformt, sondern durch Arbeit und eige-ne Leistung.“

Deine Persönlichkeit und Eigenschaften haben einen großen Einfluss darauf, wie du Finanzentscheidungen triffst und welche Einstellung du gegenüber Finanzprodukten und Investitionen hast. Neben deinem Charakter haben auch dein Umfeld und deine Einstellung zu Geld großen Einfluss darauf, ob und wie du dich mit dem Thema Finanzen beschäftigst.

Es gibt viele Faktoren, die deine Entscheidungen bewusst und unbewusst beeinflussen. In diesem Artikel erfährst du, welche das sind, wie sie funktionieren und was du für einen guten und selbstständigen Umgang mit deinen Finanzen tun kannst.

Warum deine Persönlichkeit bei Finanzen so wichtig ist!

Unsere Persönlichkeit bestimmt, wie wir „ticken“, wer wir sind und wie wir uns verhalten. Es ist eine Vielzahl unterschiedlich ausgeprägter Eigenschaften, die in Summe unsere Persönlichkeit ausmachen. Diese Eigenschaften sind sehr individuell, was jedem Einzelnen eine einzigartige Persönlichkeit verleiht und uns zu Menschen macht.

Zu den Eigenschaften der Persönlichkeit zählt beispielsweise, wie offen du für neue Erfahrungen bist oder ob du eher ein kreativer Kopf oder eher konventionell und bodenständig bist. Persönlichkeit beschreibt auch, wie du dich gegenüber anderen verhältst. Bist du eher ein aufgeschlossener, extrovertierter Typ oder eher ein ruhiger, introvertierter?

Neben dem Auftreten nach außen geht es bei der Persönlichkeit auch um den Umgang mit Gefühlen. Hierzu zählt beispielsweise, ob du oft ängstlich oder wütend bist und wie du mit Stress umgehst.

Aus der Psychologie kennst du vielleicht das Big-5-Modell. Dieses Modell wurde bereits in den 1930er Jahren entwickelt und ist heute eine der am weitesten verbreiteten Persönlichkeitstheorien. Mithilfe des Big-5-Modells kannst du unter anderem testen, wie du tickst.

Neben der Persönlichkeit gibt es noch einen weiteren Faktor, der deine Entscheidungen beeinflusst. Dabei geht es vor allem um mehr oder weniger geplante und bewusste Entscheidungen. Dein letzter Spontankauf von neuen Klamotten zählt hier nicht dazu.

Insbesondere bei Entscheidungen im Bereich Investitionen, Geldanlage, Versicherungen, Altersvorsorge etc. werden Entscheidungen selten spontan und ohne Vorüberlegungen getroffen.

Geplante Entscheidungen werden vor allem dadurch beeinflusst, wie und was wir über eine Sache denken (deine Einstellungen). Auch die Meinungen anderer (z. B. Freunde, Familie, Influencer) und die Leichtigkeit, mit der du ein bestimmtes Verhalten ausführen kannst, beeinflussen dich. Das zugrunde liegende psychologische Modell heißt „Theory of Planned Behavior“ von Icek Ajzen.

Jeder Mensch ist einzigartig und es gibt verschiedene Faktoren, die unsere Entscheidungen beeinflussen. Soweit, so gut.

Du fragst dich sicherlich, was das Ganze mit dir und deinen Finanzentscheidungen zu tun hat. Das erfährst du gleich. Zuvor erfährst du, wie und in welchem Umfang deine Persönlichkeit und die anderen Faktoren Entscheidungen beeinflussen.

Wie treffen Menschen bewusste (Finanz-)Entscheidungen?

Zunächst eine kurze Einordnung, wie Persönlichkeit greifbar wird und wie wir Entscheidungen treffen. Dieser Teil ist etwas sperrig, aber wichtig, um ein gemeinsames Verständnis für das Thema zu schaffen. Danach erhältst du wertvolle Tipps, die du ganz praktisch im Alltag umsetzen kannst.

Wenn wir Entscheidungen bewusst treffen möchten, hängt dies von verschiedenen Faktoren ab. In der „Theory of Planned Behavior“ von Ajzen (1991) sind dies: Einstellung, subjektive Norm und wahrgenommene Verhaltenskontrolle. Es geht im Wesentlichen um deine Motivation (Intention), ein bestimmtes Verhalten auszuführen.

Unter der Einstellung versteht man, ob eine Person ein Verhalten eher positiv oder negativ bewertet. Du möchtest dich also nur so verhalten, wie du es als richtig und gut empfindest, und unterlässt Handlungen bzw. Verhaltensweisen, die du als negativ empfindest.

Ein weiterer Punkt, der unser Verhalten beeinflusst, ist die subjektive Norm. Hierbei geht es um die soziale Norm beziehungsweise um sozialen Druck. Du möchtest dich also so verhalten, wie es andere von dir erwarten.

Das dritte Element ist die wahrgenommene Verhaltenskontrolle. Das ist deine Einschätzung, wie leicht oder schwer dir ein Verhalten fallen würde. Grundlage dafür sind deine Ressourcen (Fähigkeiten, Wissen, Zeit, Geld usw.).

Alle drei Elemente beeinflussen deine Intention, ein bestimmtes Verhalten auszuführen.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass du ein bestimmtes Verhalten wahrscheinlich nicht ausführen wirst, wenn du nicht über die tatsächlich notwendigen Ressourcen (Zeit, Geld, Fähigkeiten usw.) verfügst. Wichtig ist auch, dass sich die drei Elemente gegenseitig beeinflussen. Wenn in deiner Familie beispielsweise die Meinung vorherrscht, eine bestimmte Geldanlage sei zu kompliziert („die Börse ist ein Casino“), dann wirkt sich das auch auf deine Perspektive gegenüber Geld und Finanzen aus. Zusammengefasst besteht deine Intention für eine bestimmte Handlung aus deiner Einstellung, dem sozialen Einfluss und deiner wahrgenommenen Verhaltenskontrolle. Je größer die Intention, desto eher wirst du das Verhalten auch ausführen. Das klingt alles sehr abstrakt, daher betrachten wir das Ganze nochmals anhand eines Beispiels.

Um ein bestimmtes Verhalten auszuführen, benötigst du also die entsprechenden Ressourcen (z. B. hast du genug Zeit, um dich mit deinen Finanzen auseinanderzusetzen) und die richtige Intention.

Wie lässt sich eine Persönlichkeit messen?

Neben dem Weg, wie wir bewusste Entscheidungen treffen, spielt auch unsere Persönlichkeit beim Thema Finanzen eine große Rolle. Eine Möglichkeit, unsere Persönlichkeit ein wenig greifbarer zu machen, ist die Einteilung in fünf Faktoren. Jeder Faktor kann entweder stark oder schwach ausgeprägt sein und besteht aus mehreren Elementen. Diese sind:

Du hast nun einen ersten Einblick erhalten, wie du Entscheidungen triffst und wie du deine Persönlichkeit einordnen kannst. Wenn du weiterliest, erfährst du, wie deine Persönlichkeit deine Entscheidungen beeinflusst. Anschließend erhältst du ein paar praktische Tipps, wie du deine Finanzen und deine Persönlichkeit besser verbinden kannst. Schließlich geht es um deinen individuellen Umgang mit Finanzfragen.

Welchen Einfluss hat deine Persönlichkeit auf deine Finanzentscheidungen?

Die Big5-Faktoren deiner Persönlichkeit zeigen ihren Einfluss auf dein Finanzverhalten durch verschiedene Zusammenhänge. Einige davon werden im Folgenden kurz vorgestellt und zeigen, wie deine Persönlichkeit dich bei Finanzfragen leitet und beeinflusst.

Wenn du auf der Skala des Neurotizismus eine starke Ausprägung hast, also eher zu Unsicherheit tendierst und schnell nervös wirst, dann wird sich das auch in deinen Finanzentscheidungen zeigen. Es besteht ein negativer Zusammenhang zwischen Neurotizismus und Investmententscheidungen (SARWAR et al., 2020). Das ist logisch, denn eine eher ängstliche, unsichere und sensible Person scheut sich in der Regel, Risiken in Finanzthemen einzugehen. Es besteht daher eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass eine Person mit einer hohen Ausprägung beim Neurotizismus zu sicheren Geldanlagen (Festgelder, Bundesanleihen o. Ä.) tendiert oder sich durch Sicherheiten oder Versicherungen beeinflussen lässt.

Anders sieht es aus, wenn du deine Finanzkompetenz (Wissen, Verhalten und Einstellung gegenüber Finanzen) erhöhst. Dadurch wirst du weniger ängstlich, unsicher und nervös, was sich positiv auf deine Intentionen für Finanzentscheidungen auswirkt (vgl. Hamza & Arif, 2019).

Neurotizismus hat auch eine negative Auswirkung auf deine Entscheidungen, in Aktien und Wertpapiere zu investieren. Wer wundert sich darüber? Eine hohe Ausprägung von Neurotizismus geht mit Ängstlichkeit und Problemen bei Druck oder Stress einher. Gerade bei Finanzprodukten, die Schwankungen unterliegen, haben ängstliche Personen oft das Gefühl, dass etwas Gefährliches passieren wird. Personen mit einer hohen Ausprägung von Neurotizismus haben Schwierigkeiten, eine Tätigkeit zu beginnen, und neigen zu Schwermütigkeit. Dies kann dazu führen, dass Finanzentscheidungen vielleicht nie getroffen werden.

Extravertierte und aufgeschlossene Personen zeigen eine positive Einstellung zu Finanzentscheidungen und Investitionen am Kapitalmarkt (SARWAR et al., 2020). Das ist nicht überraschend, da Personen mit einer starken Ausprägung der beiden Faktoren „Offenheit für Erfahrungen” und „Extraversion” anderen gegenüber aufgeschlossen sind, Interesse, Neugier und eine optimistische Grundeinstellung zeigen. Diese Eigenschaften können dabei helfen, sich mit einem bestimmten Thema neu auseinanderzusetzen oder sich neues Wissen anzueignen.

Personen mit einer starken Ausprägung bei Verträglichkeit neigen dazu, anderen bei Finanzempfehlungen zu leicht zu vertrauen. Sie scheuen den Konflikt und hinterfragen Informationen nicht kritisch (McCrae & Costa Jr., 1997).

Personen mit ausgeprägter Verträglichkeit und großer Offenheit für Erfahrungen sind auch empfänglicher für subjektive Normen (Lai, 2019). Sie lassen sich eher von anderen beeinflussen oder ahmen deren Verhalten nach, indem sie beispielsweise Aktien oder Investitionen tätigen, die sie bei anderen gesehen haben. Sei dir darüber bewusst, dass auch eine große Menge an Berichten, beispielsweise von den Medien, sowie Aufforderungen von für dich wichtigen Personen deine Entscheidung beeinflussen (Lai, 2019). Dein Umfeld hat auch Einfluss auf deine Einstellung (ebd.). Wenn du dich mit vielen Freunden, Verwandten und Kollegen austauschst, die bereits in Wertpapiere investieren, wird sich auch deine Einstellung zum Kapitalmarkt und zu Finanzentscheidungen verändern.

Gewissenhafte Personen treffen bewusste Finanzentscheidungen und verlassen sich nicht auf falsche Vorstellungen (SARWAR et al., 2020). Verantwortungsbewusste Personen haben eine größere finanzielle Selbstkontrolle, sind weniger oder gar nicht verschuldet. Sie verwalten ihr Vermögen effektiv und neigen weniger zu impulsiven Käufen (Brown & Taylor, 2014).

Wie du siehst, hat deine Persönlichkeit einen großen Einfluss darauf, wie du Entscheidungen triffst oder welche Einstellung du zu bestimmten Verhaltensweisen hast. Unterm Strich triffst du bei Finanzen keine rationalen Entscheidungen, sondern lässt dich von verschiedenen Faktoren und deinem Charakter leiten.

Wie kannst du dir selbst helfen?

Kurz gesagt haben nicht nur deine Persönlichkeit, sondern auch dein Umfeld und deine Einstellung Einfluss darauf, wie du zu den Themen Finanzen, Geldanlage und Investitionen stehst.

Wenn du möchtest, kannst du gerne den Persönlichkeitstest machen. Du kannst ihn online unter https://bigfive-test.com/de machen. Die Ergebnisse können dir helfen, dein Finanzverhalten zu verstehen. Du kannst die Ergebnisse nutzen, um dich und dein Verhalten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu ändern. Wenn du zum Beispiel eher ängstlich bist, kannst du versuchen, dich in kleinen Schritten, mit denen du dich wohlfühlst, an ein neues Thema heranzutasten. Fange einfach dort an, wo du gerade stehst. Hinweis: Die meisten Online-Tests sind nicht wissenschaftlich validiert und stellen möglicherweise nur eine verkürzte Version des Big5-Tests dar. Du solltest das Ergebnis daher nicht als ultimative Wahrheit betrachten. Die Ergebnisse können jedoch zur Selbstreflexion dienen und anregen.

Insbesondere, wenn du ängstlich oder unsicher bist, kann die Steigerung deiner Finanzbildung und die Auseinandersetzung mit dem Thema Geld und Geldanlage dabei helfen, zukünftig bessere Entscheidungen zu treffen. Wenn du dich grundsätzlich mit den Themen Geldanlage und Altersvorsorge beschäftigen möchtest, würde ich dir das Buch von Madame Moneypenny empfehlen. Wenn du schon überlegst, in welche Assetklassen du investieren möchtest, dann ist das Buch von Dr. Gerd Kommer empfehlenswert.

Wenn du eher den Konflikt scheust (hohe Ausprägung bei Verträglichkeit) und dich leicht überreden lässt, dann tritt einen Schritt zurück, mache dir die Situation bewusst und versuche, die dir zur Verfügung gestellten Informationen zu hinterfragen.

Sei dir auch der Faktoren bewusst, die deine Entscheidungen/Intentionen beeinflussen. Du kannst damit beginnen, die einzelnen Faktoren anzugehen. Hinterfrage beispielsweise deine Einstellung zu Geld. Welche Glaubenssätze hast du? Wie stehst du dem Thema Finanzen gegenüber? Was sagt dein Umfeld zu diesem Thema? Stimmst du der Meinung deines Umfelds wirklich zu? Wenn du eine positive Einstellung zu Finanzthemen entwickelst, wird sich das auch positiv auf deine Entscheidungen auswirken, beispielsweise ob du mit dem Investieren beginnst (Lai, 2019).

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