Wie Finfluencer und Berater deine Entscheidungen beeinflussen!?

Kompetent. Zukunftsgerichtet. Selbstständig.

Übersicht

08.04.2024

Zusammenfassung

„Die Intuition steht dem klaren Denken im Weg.“

In diesem Artikel geht es darum, warum wir Finfluencern, Influencern oder Beratern bei unseren Finanz- und Geldentscheidungen vertrauen. Um dies zu verstehen, werfen wir einen Blick auf die Sozialpsychologie. Hierbei kann es aus einer Vielzahl von Gründen zu Fehlentscheidungen kommen. Um sich davor zu schützen, ist es hilfreich, die Fallstricke zu kennen und das eigene Verhalten zu hinterfragen.

Der richtige Umgang mit Informationen und Werbung!

Finanzentscheidungen gehören zu den wichtigsten Entscheidungen, die wir treffen müssen.

Die Art und Weise, wie wir diese Entscheidungen treffen, variiert dabei von Person zu Person und ist abhängig von unserem aktuellen Standpunkt. So kannst du beispielsweise noch ganz am Anfang mit deinen Finanzen stehen und dich fragen: „Was soll ich überhaupt mit meinem Geld anstellen?” Vielleicht hast du auch schon eine vage Idee von einer Immobilie, möchtest dich mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen oder bist bereits auf der Suche nach der besten und lukrativsten Anlagemöglichkeit für dein Geld.

Egal, an welchem Punkt du stehst: Wenn du dich mit Finanzen beschäftigst, wirst du mit einer Vielzahl neuer oder bekannter Informationen konfrontiert. Ob du diese von einem Finanz-Influencer, von Bekannten, einem Bankberater oder über einen Blog erhältst, ist erstmal nicht wichtig. Ebenso soll es zunächst auch nicht darum gehen, ob eine der genannten Quellen gute und vertrauenswürdige Informationen liefert. Das ist zu Beginn ohnehin schwer zu erkennen. Wie sollen wir auch wissen, ob der Influencer, dem wir gerade folgen, qualitativ gute Tipps zum Umgang mit Geld gibt oder ob er einfach nur ein Produkt bewerben möchte? Ein anderes Beispiel ist dein langjähriger Bankberater, der dich sehr gut kennt und mit dir über die neuesten Geldanlagen sprechen möchte. Ist dieser tatsächlich an der besten Lösung für dich interessiert oder muss er/sie dir nur ein Produkt verkaufen, um die eigenen Verkaufsquoten zu erfüllen?

Wichtig ist bei all diesen Beispielen, wie wir mit Informationen umgehen, sie beurteilen und Entscheidungen treffen. Hierbei kann es aus einer Vielzahl von Gründen zu Fehlentscheidungen kommen. Einige dieser Gründe, auch „Bias“ (Verzerrung) genannt, werden dir in diesem Artikel vorgestellt. Wie immer wird es zunächst ein wenig theoretisch, bevor es um konkrete Anwendungen geht und du Tipps und Tricks erhältst, um dich vor Fehlentscheidungen zu schützen.

Wichtig ist zu wissen: Nicht jede Verzerrung, jedes Phänomen oder jede Theorie aus der Sozialpsychologie muss auf dich zutreffen oder gilt in deinem Fall. Wir sind alle einzigartig und nehmen Informationen alle unterschiedlich wahr. Wenn eine der Theorien zutrifft, dann passiert das automatisch und unterbewusst. Daher ist es besser, lieber ein paar Fallstricke mehr zu kennen, als vorschnell Entscheidungen zu treffen.

Vertrauen ist gut Kontrolle ist besser! Wie du besser mit Informationen umgehen kannst.

Wenn es um das Thema Entscheidungsfindung geht, spielen Informationen eine große Rolle. Dabei bist du wie alle Menschen motiviert, eine möglichst gute und richtige Entscheidung zu treffen und Fehler zu vermeiden. Deine Urteilskraft ist jedoch nicht immer rational und logisch, was zu Denkfehlern führen kann. Dies kann besonders bei finanziellen Entscheidungen schnell teuer werden. Um diese Fehler zu vermeiden, ist es wichtig zu verstehen, wie Menschen Entscheidungen treffen.

Wichtige Entscheidungen werden oft spontan und intuitiv getroffen. Aber wieso?

Intuitive Entscheidungen können entstehen, wenn du vor einem komplizierten oder komplexen Problem stehst. Dies geschieht mithilfe von Daumenregeln, die auch als Heuristiken bezeichnet werden. Diese reduzieren den kognitiven Aufwand für die Verarbeitung entscheidungsrelevanter Informationen, indem statt eines komplizierten Problems ein ähnliches, aber einfacheres gelöst wird (Tversky & Kahneman, 1974).

Expertenheuristik

Soweit erst einmal die Grundlage, wie wir als Menschen versuchen, Entscheidungen zu vereinfachen. Kommen wir nun wieder zum Eingangsthema und stellen den Zusammenhang mit Influencern her. Eine bestimmte Heuristik ist die sogenannte Expertenheuristik.

Wenn wir uns eine Meinung bilden oder eine Entscheidung treffen, verlassen wir uns gerne auf einzelne Experten, da wir annehmen, dass sie zwischen uns und sicherem Wissen vermitteln, indem sie es für uns aufbereiten und verdichten (vgl. Fischer et al., 2013).

Wenn du vor der großen Entscheidung stehst, was du mit deinem Geld und deinen Finanzen anstellen sollst, dann kannst du dir entweder alle Informationen zu Finanzprodukten, deren Aufbau, Funktionsweisen, Risiken, Renditechancen, Verfügbarkeiten und vieles mehr selbst zusammensuchen und bewerten. Oder du verlässt dich auf einen Experten, der dir die für dich relevanten Informationen herausfiltert. Das scheint doch viel einfacher zu sein. Anstatt dich selbst in das Thema Finanzen einzuarbeiten, suchst du dir jemanden, der das für dich tut. Ein ähnliches, aber einfacheres Problem.

Achtung! Dein Vertrauen muss auch Grenzen haben. Es kann nämlich auch sein, dass der von dir ausgewählte Experte inkompetent ist oder durch eigene Interessen beeinflusst wurde. Finanzexperten müssen nicht immer richtig liegen.

Dazu gibt es eine etwas ältere, aber sehr interessante Studie von Metcalf und Malkiel aus dem Jahr 1994. In dieser Studie wurden Aktienexperten nach Aktien gefragt, die ihrer Meinung nach in den kommenden zwei Jahren steigen werden. Aus den Antworten entstand ein erster Aktienkorb, der mit einem zweiten Aktienkorb verglichen wurde. Letzterer wurde mithilfe von zufälligen Dartwürfen ausgewählt. Nach zwei Jahren mussten die Forscher feststellen, dass sich die Empfehlungen der Experten nicht besser, sondern häufig sogar schlechter entwickelten als die zufällig ausgewählten Aktien (vgl. Fischer et al., 2013).

Konformationbias

Ein weiterer Faktor, der unsere Entscheidungen beeinflussen kann, ist der Konformitätsbias. Er tritt auf, wenn wir nur einem oder wenigen, inhaltlich ähnlichen Influencern folgen. Dadurch erhalten wir immer mehr Informationen, die mit unserer getroffenen Entscheidung übereinstimmen. Dadurch erhalten wir mehr Informationen, die für eine Entscheidung sprechen als dagegen, und unsere Wahrnehmung wird verzerrt.

Verfügbarkeitsheuristik

Neben dem Konfirmationsbias besteht durch Social Media auch die Gefahr, dass wir Entscheidungen auf Basis der Informationen treffen, die sich leicht aus unserem Gedächtnis abrufen lassen. Informationen, die häufig auftreten, bleiben auch häufiger im Gedächtnis haften. Dieser Effekt wird als Verfügbarkeitsheuristik bezeichnet (Tversky & Kahneman, 1974). Sie besagt, dass wir eine Hypothese umso eher für richtig halten, je leichter wir Informationen zu ihr aus dem Gedächtnis abrufen können.

Dieser Effekt kann auftreten, wenn du Influencern folgst, die behaupten, Immobilien seien die beste Assetklasse für deine Geldanlage und du könntest dir damit eine optimale Altersvorsorge aufbauen. Je öfter du einen Beitrag oder eine Story dazu siehst oder liest, desto leichter kannst du dich an diese Aussagen erinnern. Du könntest dazu neigen, Immobilieninvestitionen auch für dich als den richtigen Weg zur Altersvorsorge zu sehen.

Achtung! Auch hier gibt es Grenzen. Nur weil du viele einseitige Informationen erhältst, heißt das noch lange nicht, dass es der richtige Weg für deine Altersvorsorge ist. Mach dir bitte auch immer Gedanken darüber, was die Investitionen für deinen weiteren Lebensweg bedeuten und welche Alternativen es gibt. In dem Beispiel kannst du Immobilien auch durch Aktien oder ETFs ersetzen, das Ergebnis bleibt das gleiche.

Bei allen Entscheidungen im Finanzbereich ist es wichtig, relevante Informationen zu nutzen und sich nicht von irrelevanten beeinflussen zu lassen. Gerade auf Social-Media-Plattformen ist es für Creator wichtig, regelmäßig und viel Content zu produzieren. Dies liegt auch daran, dass nicht alle ihre Follower auf dem gleichen Stand oder in der gleichen finanziellen Situation sind. Dabei erhältst du zwar viele Informationen, aber nicht alle sind für deine Situation relevant. Das führt dazu, dass deine Entscheidung „verwässert“ wird. Wenn dir im schlimmsten Fall relevante Informationen fehlen und du eine Vielzahl irrelevanter Informationen vorliegen hast, kann es sein, dass du eine Daumenregel anwendest und eine vereinfachte Entscheidung triffst.

Eine solche Daumenregel/Heuristik könnte beispielsweise lauten: „Ein hoher Preis steht für eine hohe Qualität.“ Übertragen auf Investitionen könnte diese Regel auf den Kurs einer Aktie angepasst werden: „Ein hoher Aktienkurs steht für ein gutes Unternehmen.“ Das muss jedoch nicht zwangsläufig der Fall sein, denn der aktuelle Kurs sagt nichts über die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens aus.

Sozialer Einfluss

Bisher lag das Augenmerk auf den Influencern selbst und ihrem Content. Aber auch die Personen in deinem Umfeld haben einen sozialen Einfluss auf dich. Es gibt einen normativen sozialen Einfluss, wenn du dich der Meinung und den Verhaltensweisen einer Mehrheit anschließt, sowie einen informativen sozialen Einfluss. Letzterer tritt auf, wenn du versuchst, konkrete Informationen zu sammeln, und dir unsicher bist. Dann kann es passieren, dass dir die Mehrheit einer Gruppe als Informationsquelle dient und du davon ausgehst, dass sie richtig liegt.

Der Einfluss einer Gruppe kann beispielsweise dann erfolgen, wenn du einer Gruppe in den sozialen Medien beitrittst, in der ihr euch über Aktien, Aktienkurse und Unternehmensbewertungen austauscht. Wenn du dir selbst nicht sicher bist, wie man ein Unternehmen und dessen Wert richtig bewertet, kann es sein, dass du dich der Mehrheitsmeinung der Gruppe anschließt, auch wenn diese falsch ist.

Achtung! Gerade bei Finanzprodukten wie Aktien besteht die Gefahr, Verluste zu erleiden.

Sei dir deshalb sicher, dass du weißt, was du tust, und vertraue nicht blind der Meinung einer Gruppe oder der Mehrheit.

Der richtige Umgang mit Beeinflussung

Wie du siehst, haben Influencer und Social-Media-Kanäle auf vielfache Weise Einfluss auf deine Entscheidungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass soziale Medien per se schlecht und gefährlich sind. Es gibt durchaus gute Kanäle auf den verschiedenen Plattformen, die einen Mehrwert für dein Finanzwissen liefern können. Experten können ihr Wissen komprimieren und dir auf einfache Weise zugänglich machen. Beachte dabei aber immer, dass es auf jedem Gebiet der Finanzen (Aktien, ETFs, Immobilien, Kryptowährungen usw.) andere Experten gibt und nicht alle kompetent sind. Du solltest den Aussagen und Informationen nicht blind folgen, sondern dir immer eine eigene Meinung bilden und Informationen aus verschiedenen Quellen einholen.

Um dem Konfirmationsbias entgegenzuwirken, kannst du gezielt nach Informationen suchen, die den bisherigen Aussagen widersprechen. Eine Alternative ist die Erstellung von Pro-Contra-Listen. Suche lieber ein paar Informationen mehr, als dass du vorschnell eine unpassende finanzielle Entscheidung triffst.

Eine Liste mit allen relevanten Informationen und Rahmendaten für deine Investitionsentscheidungen, wie beispielsweise deine Ziele, dein verfügbares und benötigtes Kapital, eine Übersicht über deine Einnahmen und Ausgaben sowie deine grundsätzliche Investitionsstrategie, kann dir helfen, Entscheidungen besser einschätzen zu können, und dich davor bewahren, vorschnell zu reagieren, wenn du wieder und wieder mit inhaltsgleichen Posts, Stories oder Werbungen konfrontiert wirst.

Nimm dir vor einer großen Entscheidung auch gerne ein wenig Zeit, reflektiere deine derzeitige Tendenz für oder gegen ein Finanzprodukt und frage dich, ob es gute Gründe für die eine oder andere Seite gibt oder ob du deine Entscheidung gerade mithilfe einer Daumenregel vereinfachst.

Zum Schluss noch ein wichtiger Satz: Deine Finanzentscheidungen müssen zu dir passen. Eine Gruppe in den sozialen Medien kann dir dabei helfen, am Ball zu bleiben und dich endlich um deine Finanzen zu kümmern, aber die Entscheidung für die zu dir passenden Finanzprodukte musst du selbst treffen. Dabei helfen eigene Recherchen, sich mit einem Finanzprodukt auseinanderzusetzen und verschiedene Angebote miteinander zu vergleichen.

Zum Schluss noch ein wichtiger Satz: Deine Finanzentscheidungen müssen zu dir passen. Deine Finanzentscheidungen müssen zu dir passen. Eine Gruppe in den sozialen Medien hilft dir vielleicht, am Ball zu bleiben und dich endlich um deine Finanzen zu kümmern, aber die Entscheidung über die für dich passenden Finanzprodukte musst du für dich selbst treffen. Dabei helfen eigene Recherchen, sich mit einem Finanzprodukt auseinanderzusetzen und verschiedene Angebote miteinander zu vergleichen.

Wie du bessere Entscheidungen treffen kannst

Soziale Medien können sehr nützlich sein, um Informationen zu erhalten und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Vergiss dabei aber nicht, dass du die Entscheidungen treffen solltest.

Geh vor dem Abschluss eines Finanzprodukts lieber noch einmal einen Schritt zurück und frage dich, ob du das Produkt wirklich verstanden hast. Stehst du selbst hinter der Entscheidung oder ist es nur die Empfehlung eines Experten? Findest du die Investition nur gut, weil dir dazu spontan etwas einfällt? Vereinfachst du gerade eine Entscheidung mit einer Daumenregel?

Um den Verlockungen von Finanztipps und -angeboten in den sozialen Medien und von Influencern zu entkommen, kannst du auch zu einem Buch greifen. Das verlangsamt die Geschwindigkeit, mit der dich Angebote erreichen, und der Informationsgehalt ist um ein Vielfaches höher. Als Leseempfehlungen im Bereich Finanzen können an dieser Stelle die Bücher von Gerd Kommer genannt werden. Wenn dich interessiert, wie deine Gedanken unterbewusst beeinflusst werden, ist das Buch von Daniel Kahneman vielleicht etwas für dich.

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